John Gardener Pass

Heute stand der schwierigste Tag auf dem Programm. Zunächst ging es steil hinauf zum John Gardener Pass, der extremsten Stelle der ganzen Wanderung. Es kann passieren, dass dieser gesperrt wird, wenn z.B. zu starker Wind (d.h. hier in Patagonien nur noch krabbeln möglich) herrscht oder knietiefer Schnee liegt. Da ich wieder einmal einen Campingplatz auslassen musste und direkt zum Lago Grey weiterlief, musste ich den Anstieg auch wieder komplett runter.

Das bedeutete, zunächst 600hm hinauf und dann direkt 1100hm hinab. Wobei mich viele warnten, dass der Abstieg noch schlimmer ist, weil er matschig, steil und rutschig ist. Auch der Ranger vor Ort empfahl sehr früh loszugehen, da die Wanderung bis zu 12 Std. dauern kann.

Es war noch dunkel als ich aufstand, ziemlich kalt und nass dazu. Ich stärkte mich etwas mit Müsli und Tee und brach dann mit Stirnlampe ausgerüstet auf. Diesmal war ich allerdings nicht der erste sondern startete gefühlt recht spät. Es ging ohne Vorwarnung direkt in den steilen und extrem matschigen Anstieg. Da vor mir schon viele Leute gestartet waren, musste ich immer wieder an umöglichen Stellen überholen.

Dann ging es aber bald aus dem Wald heraus und hinein ins offene Gelände. Der Himmel war nur leicht bewölkt und es sah gut aus für die Passquerung. Auf dem steinigen Gelände gab es nun kaum noch einen richtigen Wanderweg, sondern nur noch hohe, orangene Stangen, die den ungefähren Weg wiesen. Je höher ich kam, desto stärker wurde der Wind, aber im Gegensatz zu El Chalten war es noch angenehm. Im letzten Stück des Anstiegs kam dann noch leichter Schneefall dazu, aber insgesamt hatte ich mit dem Wetter hier oben Glück. Am Tag davor und danach gab es hier oben wohl große Probleme: starker Schneefall, extremer Wind und zudem einen Unfall, bei dem ein Hubschrauber eingesetzt werden musste.

Ich war überwältigt von der Schönheit der Natur da oben. In die eine Richtung blickte man in das Tal mit den schneebedeckten Gipfeln und auf der andere Seite konnte man direkt auf den Gletscher Grey blicken. Faszinierend! Ich blieb eine Weile dort oben, aber es wurde dann doch ziemlich kalt und ich begab mich in den Abstieg. Und ja, dieser war extrem steil und rutschig. Man kam nur sehr langsam voran und die Knie wurden, vor allem durch den immer noch schweren Rucksack, sehr stark belastet.

Am Campingplatz Paso machte ich wieder Pause, um mich für den restlichen Abstieg zu stärken. So langsam wurden die Schritte schwerer und ich sehnte mich ein wenig nach dem Ende der Wanderung. Dabei war ich weit vor meinem Zeitplan. Nach nur 6 Stunden Wanderung kam ich um 13 Uhr schon im Refugio Grey an. Ich war doch sehr überrascht, wie schnell ich diesen schweren Weg geschafft hatte.

Meine Schuhe waren komplett durchnässt und mit Matsch überzogen, meine Füße, meine Knie und meine Beiner schmerzten. Dazu kamen meine Schultern und mein Rücken. Im Refugio Grey war bei meiner Buchung leider kein Campingplatz mehr frei, weshalb ich ein teures Bett im Refugio buchen musste. Jetzt war ich extrem froh darüber. Ich konnte meine Sachen trocknen, duschen und mich in ein richtiges Bett legen. Was für ein Luxus!

Nachdem ich mich etwas erholt hatte, ging ich noch zum Aussichtspunkt des Gletschers und lernte danach meine Zimmergenossen kennen. 2 ältere Amerikaner, die nur 2 Tage im Park sind und ein älteres französisches Pärchen, das ebenfalls den „O“ läuft. Das ganze aber in 9 Tagen, was ich aber trotzdem sehr beeindruckend fand.

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